Das Theater

10. Spielzeit

Premiere:
11. Oktober 2017
Weitere Vorstellungen:
12. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018
täglich außer Montag, Dienstag - Freitag, 19.30 Uhr
Samstag 16.00 und 20.00 Uhr,
Sonntag im Oktober nur um 18 Uhr, ab November Sonntag 15.00 und 19.00 Uhr

Die Geschichte des Hansa-Theaters

Hamburger Abendblatt, 31. Dezember 2001: „Eine jede Zeit hat ihre Gaukler. „Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“, ist die wehmütige, doch nicht hoffnungslose Erkennungsmelodie jener Muse, die seinerzeit von den Göttern keinen Namen abbekommen hat und deshalb „leicht“ genannt wird. Lilian Harvey hat Robert Gilberts Reime zu Richard Heymans Musik 1931 im Ufa-Film „Der Kongress tanzt“ gesungen. Das Genre nennt derlei gern unsterblich...Aber es ist auch etwas dran an solchen Dingen. Auch, wenn Institutionen sterben, wie jetzt das Hamburger Hansa-Theater. Tempi passati. Das Haus wird nicht abgerissen, sondern eingemottet. Nichts wird verkauft, das gesamte Inventar bleibt an seinem Platz. Vielleicht erweckt sie dereinst ein Prinz aus dem Dornröschenschlaf. Denn jede Zeit findet ihre Gaukler.“ – Das schrieb der Autor Helmut Söring in Hamburgs beliebtester und auflagenstärkster Tageszeitung zur Schließung des Musentempels, als in dem Traditionshaus nach 108 Spielzeiten mit 51.188 Vorstellungen – der vorerst letzte Vorhang fiel.

 

Und Helmut Söring sollte Recht behalten: „Eine jede Zeit hat ihre Gaukler“. Die fanden sich im Januar 2009 und kamen aus dem anderen Hamburger Stadtteil, in dem das Milieu Tür an Tür mit hoher Kunst zu Hause ist. Thomas Collien und Ulrich Waller, die Leiter des St. Pauli Theaters, erweckten gemeinsam mit dem „Hamburger Abendblatt“, nach der Idee der Marketingchefin Vivian Hecker, das Hansa-Theater aus seinem sieben Jahre dauernden Schlaf und die Hamburger und ihre Gäste dankten es ihnen.

 

Begonnen hat die glorreiche Geschichte des Hansa-Theaters lange vorher im Jahre 1894, als der Brauereibesitzer Paul Wilhelm Grell sich entschloss, den „Hansa-Concert-Saal“ zu kaufen. Paul Wilhelm Grell hatte die richtige Nase und das richtige Händchen bei der Wahl seiner Künstler. Internationale Stars, wie die damals sogar von gekrönten Häuptern umschwärmten Tänzerinnen Cléo de Mérode, La Belle Otéro, oder Lola Montez verzauberten das Publikum um die Jahrhundertwende. In den 1920er Jahren geriet das Publikum außer Atem, wenn sie Josephine Baker, nur mit einem Bananenröckchen bekleidet, auf der Bühne des Hansa-Theater sahen.

 

Die Liste der Künstler, die dem Haus die Ehre gaben oder ihre Karriere hier begannen, ist lang und beeindruckend. Berühmtheiten der damaligen Zeit wie Fritzi Massary und Asta Nielsen waren umjubelte Gäste und Hans Albers, der nur eine Straße weiter in der „Langen Reihe“ das Licht der Welt erblickte, begann hier seine Karriere. Die Gebrüder Wolf und Charly Wittong sorgten mit ihren Hamburger Liedern und Couplets für Stimmung und luden zum Mitsingen ein ebenso wie die Comedian Harmonists, deren frivole Lieder damals jeder kannte. Varietéstars wie der Entfesselungskünstler Houdini, der Hellseher Hanussen oder der Jongleur Enrico Rastelli versetzten das Publikum in Erstaunen.

 

Zu den Publikumslieblingen, für die die Hamburger stundenlang Schlange standen, um Karten zu bekommen, gehörte Charlie Rivel, dessen „Akrobat schööön!“ zu einem geflügelten Wort wurde, ebenso wie der Schweizer Dr. Adrian Wettach – alias Grock – mit seinem „Nit möööglisch!“

 

Kurt Grell, der Sohn von Paul Wilhelm, trat 1919 in das florierende Unternehmen ein und übernahm 1924 die Geschäfte. Doch im Juli 1943 wartete ein schwerer Schicksalsschlag auf ihn. Während schwerer Luftangriffe, die weite Teile Hamburgs in Schutt und Asche legten, erhielt auch das Hansa-Theater einen Volltreffer und wurde völlig zerstört.

 

Offensichtlich hatte Kurt Grell jedoch das Erfolgs-Gen seines Vater geerbt, denn er ließ sich nicht entmutigen und baute aus den vormaligen Stallungen und Teilen des alten Foyers ein neues Theater mit 330 Plätzen. 1953 ließ Kurt Grell sein geliebtes Haus erneut umbauen – er machte das Hansa-Theater zu einer Showbühne mit integriertem Restaurant und 491 Plätzen. Seitdem wurde diese wunderbare Hamburgensie nicht mehr verändert und die Besucher erfreuen sich noch heute an dieser rotgoldenen Pracht.

 

Wenn auch nicht mehr so groß wie vor dem Krieg - den vorzüglichen Ruf unter den Artisten hatte das Hansa behalten. Und so sah man hier wieder beste Artistik und große Namen. Charlie Rivel trat wieder hier auf, einer der populärsten Kabarettisten im Nachkriegs-Deutschland, „Der Mann mit der Pauke“ Wolfgang Neuss gab im Wirtschaftswunderdeutschland hier den Takt an, der Kinderstar Cornelia Froboess sang hier „Pack die Badehose ein“ und Caterina Valente, die seit Jahren mit der ganzen Familie, allen voran Mutter Maria, hier auf der Bühne stand, zeigte, welches Talent in ihr schlummerte.

 

Kurt Grell starb im Februar 1967, doch das Haus lebte weiter, da seine Frau Telse schon lange vorher gemeinsam mit ihm die Geschäfte geführt hatte und später mit ihrem Schwiegersohn Peter Baldermann eine tatkräftige Persönlichkeit an ihrer Seite hatte. Beide hielten sich stets an das Motto: Nie im Fernsehen! Tatsächlich wurde hier nie vor laufender Kamera gespielt. Das hat sich mittlerweile geändert – nun ist auch das Fernsehen dabei, wenn jeweils im Oktober das Haus für fünf Monate seine Pforten öffnet.

 

Doch eigentlich ist alles beim Alten geblieben: Die großen Stars zieht es immer noch ins Hansa, vielleicht auch, weil für viele dort ihre große Karriere begann. So ließen es sich die Magier Siegfried und Roy, die hier schon 1964 als damals noch völlig unbekannte junge Zauberer das Publikum in Erstaunen versetzten und später in Las Vegas eine Weltkarriere machten, nicht nehmen, bei der Premiere dabei zu sein.

Die legendären Kessler-Zwillinge wurden mit Standing Ovations für ihren großartigen Auftritt vom Publikum gefeiert, der wunderbare Paul Kuhn und Lys Assia begeisterten das Publikum mit ihren Evergreens und im vergangenen Jahr bewies Bill Ramsey, dass der Jazz ihm immer noch im Blut liegt.

 

Und so ist die Geschichte des Hansa-Theaters noch lange nicht zu Ende, denn „Eine jede Zeit hat ihre Gaukler...“